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Die Ferienzeit ist vorbei, die Schule hat sie wieder, die SchülerInnen, die Eltern und die LehrerInnen. Für viele ist es ein Start mit gemischten Gefühlen.

Die Freude der Schüler wird getrübt durch Gedanken an die täglichen Hausübungen, an Prüfungen und Schularbeiten, an die Angst, geforderte Leistungen
nicht erbringen zu können. Die Freude der Eltern über den endlich wieder geordneten Tagesablauf verschwindet schnell durch tägliche Diskussionen über das Lernen, durch negative Schulmitteilungen oder Aufforderungen, sich mehr um das Kind und seine schulischen Belange zu kümmern.

Und die Lehrer? Auch ihre Arbeitsfreude ist immer öfter getrübt. Durch Überbelastung wegen großer Klassen, durch vermehrt schwieriger werdende Kinder, durch fehlende Unterstützung der Eltern und wegen geringer Wertschätzung in der Öffentlichkeit.

Angst vor der Schule

Wenn heute von Schule die Rede ist, fallen sehr häufig Begriffe wie Leistungsdruck, Überforderung, Stress oder auch Angst. Bemerkbar ist eine paradoxe Entwicklung: Je mehr sich Schulverantwortliche bemühen, die Schule als kindgerechten Entwicklungsraum, als angstfreies Lernfeld, als partnerschaftliche Institution darzustellen, umso mehr verbinden Schüler und Eltern die Schule mit zunehmend negativen Gefühlen.

Untersuchungen belegen, dass sich bis zu zwei Drittel der SchülerInnen gestresst fühlen, bei den GymnastiastInnen ist die Zahl noch höher. Beinahe ein Drittel der Schüler - Innen zeigt Konzentrationsschwächen, bis zu 20 Prozent haben zeitweilig oder dauernd Schulangst, etwa 10 Prozent zeigen deutliche psychische Auffälligkeiten. Und das alles beginnt schon in der ersten Volksschulklasse. Der größte Teil der Eltern-Kind-Konflikte - beinahe 50 Prozent - haben mit Schule zu tun! Einige Ursachen dieser Entwicklung sollen etwas näher beleuchtet werden.

Negative Einstellung

Die Grundeinstellung zur Schule und zum Lernen ist häufig negativ. Lernen wird oft als unangenehmer und lustloser Teil des Daseins dargestellt.
Natürlich ist Lernen Arbeit – ein ständiges Auseinandersetzen mit Neuem – und erfordert steten Einsatz und Anstrengung, um erfolgreich zu sein.
Was aber nicht übersehen werden darf: Der Einsatz, der verlangt wird, lässt Wissen und Fähigkeiten wachsen. Es sollte mehr vermittelt werden, dass sich die Mühe lohnt.

Schule ist „Kindersache“

Schule und Lernen soll in erster Linie Sache der Kinder sein. Die Aufgabe der Eltern ist es, ihren Sprösslingen dabei zu helfen, Verantwortung für sich und bestimmte Arbeiten zu übernehmen. Im Idealfall kümmern sich Eltern mit dem Kind um Zeiteinteilung, Arbeitsplatz und Erholung und agieren nicht als ständig sich einmischende „Beisitzer“ beim gemeinsamen Hausaufgaben machen. Was die Position der LehrerInnen betrifft, so sollte diese von den
Eltern möglichst positiv dargestellt werden. Schließlich sind es die Lehrpersonen, denen sie ihr Kind anvertrauen und hoffen, dass diese die Potentiale des Kindes optimal weiter entwickeln.

Leistungsdruck

Die Schule von heute ist leistungs- und zweckorientiert - ein Abbild unserer Gesellschaft, die theoretisch ausgerichtet ist und in der es um Prüfungen und Kontrolle geht, in der Bewegungsfreiheit eingeschränkt wird und die aus einem ständigem Wechsel von Gegenständen und Inhalten besteht. Kinder verlieren in dieser Welt leicht das Gefühl für Zusammenhänge. Sinnhaftigkeit und Ziele des Handelns sind für sie nicht erkennbar.

Die Devise „alles können, möglichst früh und möglichst schnell und alles zur gleichen Zeit“ ist ein weiterer Ursachenfaktor. Es widerspricht der Individualität der Entwicklung der Kinder, alle über einen Kamm zu scheren, sie mit derselben Methode in derselben Zeit zu den selben Ergebnissen bringen zu wollen. Das müssen nicht nur Lehrer, sondern auch Eltern berücksichtigen, die ihre Kinder beispielsweise durch Vergleiche mit anderen dauernd unter Druck setzen.

Freizeit-Stress

Die Freizeit der Kinder ist vielfach nicht mehr Erholungszeit und wirkt somit stressfördernd. Freizeitaktivitäten nach Terminplan oder stundenlanges Sitzen vor dem Computer oder dem Fernseher kosten erwiesenermaßen Unmengen an kindlicher Energie. Schlaf und sinnvoll genutzte Freizeit sind aber unsere wichtigsten Energiequellen. Kinder, die wenig schlafen, und das sind besonders solche, die viel Zeit mit Medienkonsum jeder Art verbringen, sind schneller überfordert und weniger leistungsfähig.

Hohe Erwartungen

Ein nicht unwesentlicher Grund für Schulstress liegt in einer überhöhten Erwartungshaltung der Eltern. Viele Kinder können die Erwartungen trotz intensiver Bemühungen nicht erfüllen und erleben oft Bestrafung oder gar Abwertung. Wenn Eltern keine Einsicht zeigen, den Kindern vielleicht nur Faulheit unterstellen und sie damit noch mehr unter Druck setzen, wird Schulangst die Folge sein.

Falsche Schulwahl

Die falsche Wahl der Schullaufbahn ist eine weitere Ursache für Überforderung. Wenn Kinder nicht die entsprechenden Fähigkeiten für die Leistungsanforderungen einer bestimmten Schule mitbringen oder nicht die dafür notwendigen Interessen zeigen, wenn ihre Arbeitshaltung nicht gegeben oder ihre emotionale Entwicklung noch nicht entsprechend gefestigt ist - kann Schulstress schon vorprogrammiert sein. Bringen die Eltern dann kein
Verständnis für ihr Kind auf, sondern verlangen einfach Leistung, kann das schnell zu Überforderung und bald zu Schulangst führen.

Krisen und Konflikte

Konflikte und Krisen im Elternhaus, Spannungen im Klassenverband oder mit anderen Jugendlichen stellen eine weitere Gruppe von Stressfaktoren dar. Auch sie beeinträchtigen das psychische Befinden und damit das Selbstwertgefühl. Aber gerade Selbstwert brauchen die Kinder, um mit Anforderungen, Schwierigkeiten und Konflikten zurecht zu kommen.

Guter und schlechter Stress

Stress ist nicht generell problematisch. Es kommt auf die Dosis an. Wir alle kennen Stresszustände aus der Schule, von der Führerscheinprüfung oder sonst aus dem Leben. Das Chaos im Kopf am Abend vor der Schularbeit, das Lampenfieber vor der Entscheidungsprüfung, aber auch die Aufregung vor dem ersten Rendezvous, die uns an nichts anderes mehr denken lässt – das alles sind ganz normale Erscheinungen, die unsere Anspannung erhöhen und positive Kräfte freisetzen. Diese Form von Stress macht uns aufmerksamer, aktiver und leistungsfähiger.

Ein Mittelmaß an Stress in Herausforderungssituationen steigert unsere Leistungsfähigkeit. Keine oder zu viel Spannung verschlechtert unsere Leistungen. Kinder, die grundsätzlich alles zu leicht nehmen, werden vielleicht bei der Arbeit für die Schule oberflächlich und einsatzlos. Das beeinträchtigt den Wissenserwerb negativ und kann auch zu Leistungsversagen führen. Sehr viel Stress wirkt sich aber mit Sicherheit schlecht auf die Leistung aus. Angst blockiert den Geist! Das berühmte „Brett vor dem Kopf“ hat jeder schon selbst erlebt. Kinder, die zu Hause alles wissen, aber bei der Prüfung kein richtiges Wort heraus bekommen. Kinder, die bei der Schularbeit keine Rechenaufgabe lösen können, denen aber nachher alles wieder einfällt.

Stress macht krank

Denkblockaden und in der Folge Leistungsabfall sind eine der wesentlichen Auswirkungen von zu viel Stress. Dazu kommt, dass bei zu hohem Stress das gesamte Erleben negativ eingefärbt – die ganze Welt als schlecht und freudlos empfunden wird. Gleichzeitig verändert sich auch das Zeitempfinden und bewirkt, dass stresserzeugende Situationen im subjektiven Empfinden kein Ende nehmen. Extremer Stress fordert viel Energie, die dann zur Leistungserbringung fehlt. Und über zu lange Zeit kann er Körper, Geist und Seele krank machen.

Kinder wollen etwas „leisten“, brauchen dazu aber Anleitung, Ansporn, und Anerkennung und müssen manchmal auch versagen dürfen.

Quelle gesundes Kärnten GKK


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