Der Magen: unendliche Tiefen! Wir schreiben das Jahr 28 nach Entdeckung des Helicobacter pylori. Ach, bei diesem Thema vergeht Ihnen der Appetit?
Keine Sorge: Primarius Ewald Binter von der Privatklinik Althofen weiß, was zu tun ist, wenn die Gastritis an die Magenpforte klopft.
Was ist das? Es brennt, pickst, drückt oder zieht, und jeder hat’s schon mal erlebt?
Genau: Ungute Empfindungen im Oberbauch – ein Phänomen, das ebenso verbreitet scheint, wie die Vorliebe für Germknödel und Schweinsbraten. Wann handelt es sich um harmlose Alltagsbeschwerden? Und wann sollte man einen Arzt konsultieren?
Primarius Dr. Ewald Binter, Vorstand der Inneren Abteilung an der Privatklinik Althofen ist - salopp formuliert - der Fachmann für innere Werte. Er meint: „Zum Arzt sollte man dann, wenn die Schmerzen länger als zwei Tage andauern.“
Gemäß dem Motto: Lieber einmal zu oft kontrollieren, als einmal was übersehen… Und: Ab dem fünfzigsten Lebensjahr sollte der Magen grundsätzlich kontrolliert werden – auch ohne Beschwerden.
Gastritis: häufiges Leiden
Eine Magenverstimmung ist beileibe keine Seltenheit. „Einmal was Schlechtes gegessen, und schon ist die Gastritis da.“ Und auch andere Dinge schlagen sich auch auf den Magen, wie wir alle wissen: Liebeskummer, Stress oder Angst beeinflussen das parasympathische Nervensystem, das die Magenbewegungen und die Sekretion der Magensäure steuert.
Sie kennen bestimmt die Redewendungen, die diese Verknüpfung illustrieren: Ein Streit „schlägt sich auf den Magen“, es kommt „einem die Galle hoch“,
„bis zum Erbrechen“ hatte man die Argumente wiederholt – da „vergeht einem der Appetit“ …
Wahr ist auch: „Gastritis“ dient gerne als Verlegenheitsdiagnose. Denn streng genommen kann eine Entzündung der Magenschleimhaut ausschließlich mittels Gastroskopie (im Volksmund: „Schlauch schlucken“) festgestellt werden.
Formen der Gastritis
Gastritis ist auch nicht gleich Gastritis: Zunächst gibt’s die „Autoimmungastritis“: Der Körper richtet sich gegen körpereigene Zellen. Eine seltene angeborene Störung, die rund 5 Prozent aller Gastritis-Fälle ausmacht. Das Gros der Gastritiden (mehr als 80 Prozent) sind vom Typ B – ausgelöst, durch einen fiesen Keim namens Helicobacter Pylori. Die Typ C Gastritis wiederum ist chemischtoxisch bedingt (etwa durch Medikamente wie z.B. Aspirin) und macht etwa 10 % aller Gastritiden aus.
Die chronische Gastritis ist in der Bevölkerung weit verbreitet und nimmt mit dem Alter zu. Etwa 50 % der 50-Jährigen weisen histologisch (feingeweblich) eine Gastritis – zumeist vom Typ B – auf. Es ist erwiesen, dass sehr viele Menschen im Laufe ihres Lebens mit dem Helicobacter-Keim in Berührung kommen, jedoch nur wenige erkranken. Erwiesen ist auch, dass der Helicobacter 80 Prozent aller Magen – und 100 Prozent aller Zwölffingerdarmgeschwüre auslöst.
Diagnose
Diagnostiziert werden kann der Keim mittels Atemtest (wobei ein Abbauprodukt des Bakteriums nachgewiesen werden kann – allerdings weiß man damit noch nichts über den Zustand der Magenschleimhaut, deshalb kann der Atemtest die Gastroskopie nicht ersparen) und mittels Urease-Schnelltest im Rahmen einer Gastroskopie. Weshalb „Schnelltest“? Weil bereits eine Stunde nach der Untersuchung ein Ergebnis vorliegt und die Therapie eingeleitet werden kann.
Therapie
Standard ist heute die so genannte „Triple - Therapie“: zwei Antibiotika und ein Säurehämmer! Die Erfolgsrate nach einer Behandlungsdauer von sieben, gelegentlich auch 14 Tagen, liegt bei 90 Prozent. Wobei genau abzuwägen ist, ob eine Therapie wirklich notwendig ist, gibt Dr. Binter zu bedenken. Fraglich ist die Sinnhaftigkeit einer Behandlung vor allem dann, wenn kein Geschwür vorhanden ist.
Quelle gesundes Kärnten GKK






































