Das größte Gelenk des menschlichen Körpers, das Knie, ist Tag für Tag enormen Belastungen ausgesetzt. Bis zum dreifachen des Körpergewichts muss es bei jedem Schritt abfedern. Wir fragten Kniespezialist und Chirurg Dr. Bernd Graf nach den Stärken und Schwächen des „Wunderwerks“.
Solange sie funktionieren, denken wir keinen Augenblick an unsere Knie. Erst wenn es dort bei jeder Bewegung weh tut, wird uns die Bedeutung dieses
wichtigen Gelenks „schmerzhaft“ bewusst. Die häufigsten Ursachen für Knieprobleme sind Abnützung und Überbelastung! Durch (Sport)Verletzungen, Fehlstellungen oder chronische Überbelastung (z.B. Übergewicht) kommt es zu Schmerzen und damit zur Funktionsminderung. Die frühzeitige fachärztliche Diagnose bringt Gewissheit über die Art des Problems und ermöglicht eine entsprechende Behandlung.
Das „künstliche“ Knie
Wenn einer über das Kniegelenk Bescheid weiß, dann Dr. Bernd Graf, Leiter der Orthopädie an der Privatklinik „Humanomed“ in Althofen. Zu den Schwerpunkten seiner chirurgischen Tätigkeit zählen gelenkerhaltende Arthroskopien (Gelenkspiegelungen) und der künstliche Gelenksersatz, die so genannte „Endoprothetik“. Ob er sich selbst ein Knie-Implantat einsetzen lassen würde? Dr. Graf:“ Die Entscheidung ist immer mit Bedacht und nach genauester Abklärung zu treffen, aber wenn eine Arthrose (Abnützung) so schwer ist, dass man unter permanenten Belastungs- und Ruheschmerzen
leidet und wenn alle konservativen Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft sind, dann ist eine Operation sicher das Mittel der Wahl! Zumal es bereits sehr ausgereifte gewebeschonende Techniken und eine immer größere Auswahl an Implantaten gibt.
Beispiel: Frauen erhalten heute ein Gelenk, das speziell der weiblichen Anatomie angepasst ist („Gender“-Implantat).
Nicht alles ist „künstlich“
Dr. Graf erklärt, warum vor allem ein gesunder, geschmeidiger Gelenksknorpel für das Knie so bedeutsam ist. „ Die Knorpelsubstanz wirkt wie ein „Stoßdämpfer“, bildet sich aber leider nicht mehr nach, wenn sie durch eine plötzliche Verletzung oder eine chronische Schädigung zerstört oder verschlissen ist.“ Was letztlich über die Jahre zu einer Arthrose (Abnützung) führen kann. Die Behandlung eines Knorpeldefektes reicht von Knorpelschutzpräparaten (Tabletten, Injektionen) über die Knorpeltransplantation bis zur erwähnten Total-Endoprothese (Kniegelenksersatz).
Dr. Graf: „Nicht alles am „neuen“ Knie ist künstlich. Kniescheibe, Seitenbänder und Gelenkskapsel bleiben die eigenen. Was ersetzt wird, ist der zerstörte Knorpel, die Gleitfläche.“ Die Operation selbst dauert etwa 90 Minuten. Patient oder Patientin müssen sich aber bei der Genesung gedulden. Auf zwei Wochen Krankenhausaufenthalt folgen drei Wochen stationärer Rehabilitation – danach eine ambulante Physiotherapie. Sorgfältige Nachbehandlung und viel Training sind notwendig, damit alles wieder „rund läuft“.
Meniskus-Schaden
Ein verletzter Meniskus macht sich häufig durch Ruhe- und Belastungsschmerzen und eventuell einer Blockierung des Kniegelenks bemerkbar. Die Behandlung erfolgt meist operativ – im Rahmen einer Arthroskopie (Knopfloch-Methode), „weil konservative Therapien nur in Ausnahmefällen erfolgreich
sind“, weiß Dr. Graf.
Absolutes Muss: die Physiotherapie in der Nachbehandlung! Meist kann das Bein sofort wieder voll belastet werden.
Kreuzbandriss
Die Kreuzbänder sind wichtig für die Stabilität des Knies. Ein Riss des vorderen Kreuzbandes – oft als Folge eines Sportunfalls – kann konservativ
oder operativ behandelt werden. In der akuten Phase helfen schmerz- und entzündungshemmende, abschwellende Medikamente und eine kurzfristige Ruhigstellung mittels Schiene. Später folgen intensive physiotherapeutische Maßnahmen. Bei der Operation wird das Kreuzband mittels eines
Sehnentransplantats rekonstruiert.
Primar Graf: „Ein günstiger OP-Zeitpunkt ist entweder die akute Phase, innerhalb von 48 Stunden nach der Verletzung, oder die Zeit nach Abklingendes akuten Reizzustandes, wenn das Kniegelenk wieder frei beweglich ist – also frühestens vier bis sechs Wochen nach der Verletzung".
Quelle gesundes Kärnten GKK






































